Gesundheitskommunikation und das Social Web

Patienten, die sich vorab auf Wikipedia informieren. Foren, in denen Betroffene sich über ihre Krankheiten austauschen. Eine Arztsuche, die sich an Online-Bewertungen orientiert. Keine Frage: Das Internet birgt für die klassiche Gesundheitskommunikation diverse Risiken – aber auch eine Menge Vorteile!

Drei Schritte zurück: Von 2009 bis 2013 habe ich im Bereich der Kranken-und Altenpflege gearbeitet und mich parallel auf ein Medizinstudium vorbereitet, was ich aufgrund diverser Hautprobleme und Allergien niemals antreten konnte. Schon damals war es für mich unbegreiflich, dass ein Teil des Krankenhauspersonals Probleme in der richtigen Ansprache ihrer Patienten hatte. Mangelnde Empathie durch massiven Personalmangel, fachliches Know-how und trotzdem fehlende soziale Kompetenzen: Es gibt durchaus viele Gründe, warum sich Patienten schlecht behandelt und/oder unverstanden fühlen.

Kommunikation – aber wie?

Bereits zu dieser Zeit habe ich mich gefragt, wie ich Betroffenen am besten begegnen soll, wie ich sie richtig anspreche, aufkläre, informiere – und vor allem wie ich sie erreiche. Der Weg, den ich nach dem geplatzten Medizinstudium eingeschlagen habe, hat mir dabei geholfen, viele dieser Fragen zu beantworten. Auch meine Zeit in der Health-Abteilung der Agentur Edelman hat geholfen, ein besseres Gespür für Gesundheitskommunikation zu bekommen.

Aber all das, was ich im Studium über die „neuen Medien“, die Bedeutung des Internets und nicht zuletzt über Social Media gelernt habe, kam in den Lehrbüchern über Gesundheitskommunikation zu kurz. „Gerade wenn ich Jugendliche erreichen will, komme ich doch nicht um Facebook, YouTube &Co. herum!“, dachte ich. Challenge Accepted. Der Gedanke für meine Bachelorarbeit war geboren.

Klassische PR, Online-PR und Gesundheitskommunikation kombiniert

„Challenge Accepted!“ war letztendlich auch der Titel meiner Bachelorarbeit, in der ich eine Präventionskampagne zum Thema Rauchen für Oberstufenschüler konzeptioniert hatte. Sie bediente sich an Maßnahmen und Strategien aus den drei Bereichen, die mich bis dahin beschäftigt hatten. Und sie ist ein Beispiel dafür, dass Gesundheitskommunikation im Social Web – mit der richtigen Herangehensweise – funktionieren kann.

Ich hoffe so sehr, dass ich irgendwann eine Institution finde, mit welcher ich diese Kampagne früher oder später durchführen kann. Das Problem ist: Viele scheuen sich noch davor, gesundheitsrelevante Themen ins Social Web zu bringen. Für mich ist es keine Frage mehr, ob das funktioniert. Es ist nur noch die Frage, wie es am besten klappt. Mit bestimmten Eigenschaften von Botschaften lassen sich kognitive Dissonanzen verringern – das haben die Kolleginnen und Kollegen aus der Gesundheitskommunikation bereits belegt.

Zusätzlich können wir Meinungsbildung im sozialen Umfeld (und heutzutage im Social Web) sowie Instrumente wie Storytelling und teilenswerten Content nutzen, um unsere Zielgruppe tatsächlich zu erreichen. Wir können ihr darüber hinaus eine Plattform bieten, sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen. Wir können direkt mit unserer Zielgruppe kommunizieren und interagieren, statt nur Push-Mitteilungen an sie zu senden (vgl. Cluetrain-PR). Außerdem: Themen, die im vormedialen Raum entstehen, können schließlich auch auf die klassischen Medien übergreifen.

Online-PR trifft Gesundheitskommunikation

Ich bin ausgebildete Online-Kommunikatorin. Themen der Gesundheitskommunikation habe ich mir nebenbei erarbeitet, da dieser Bereich im Studium leider nicht thematisiert wurde. Ich bilde mich auf Veranstaltungen, wie der Tagung der Ad-hoc-Gruppe Gesundheitskommunikation oder dem BleibGesundCamp fort und tausche mich mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche aus. Und ich bin davon überzeugt, dass Gesundheitskommunikatoren und Online-Kommunikatoren voneinander lernen können und sollten.

Dieser „Paradigmenwechsel“, von dem jeder spricht, zwingt uns dazu immer weiter zu lernen. Und das ist gut so! Wir werden niemals ausgelernt haben. Wir sollten Vernetzung nutzen, um uns auszutauschen und stetig fortzubilden. Nicht zuletzt, damit Gesundheitskommunikation auch in Zukunft ihre Zielgruppe erreicht.

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *